Zitate von Rudolf Steiner
Montag, 03. Mai 2010 um 11:34 Uhr

Widersprüche

»Daher ist es notwendig, genau zu wissen, um was es sich in dem einen und in dem anderen Falle handelt; aber das Allernotwendigste ist, niemals zu versäumen, sich ein ganz klares, exaktes Denken anzueignen – so gut man eben kann. […] Darum handelt es sich nicht, die Widersprüche zu vermeiden im Leben, denn die sind da. Aber darum handelt es sich, den Widerspruch zu erkennen und ins Auge zu fassen.
Ahriman und Luzifer können nur etwas machen, wenn ein Widerspruch unbemerkt bleibt, wenn wir nicht die Kraft und den Willen haben, den Widerspruch aufzudecken. Überall da, wo wir uns in einen Widerspruch verwickeln, den wir nicht als Widerspruch erkennen, sondern einfach gelten lassen als einen lebenswahren Inhalt, überall da haben Luzifer und Ahriman die Möglichkeit, sich unserer Seele zu bemächtigen.«

[Rudolf Steiner, »Die okkulte Bewegung im 19. Jahrhundert, GA 254, 4. Aufl. 1986,  6. Vortrag, Dornach 19. Oktober 1915, S. 116]


 
Sonntag, 02. Mai 2010 um 00:00 Uhr

Freiheit und mineralische Welt

»Und sehr be­deutsam ist dieses, daß wir sagen müssen: Die mineralische Welt ist eigentlich da als das notwendige Gegenstück zu der menschlichen Frei­heit. – Gäbe es keine mineralische Welt, wir wären eben nicht freie Wesen.«

[Rudolf Steiner, »Esoterische Betrachtungen Karmischer Zusammenhänge«, Bd. 1, GA 235, 8. Aufl. 1994, Zweiter Vortrag, Dornach, 17. Februar 1924, S. 33 unten] 


 
Samstag, 17. April 2010 um 06:38 Uhr

Das Reden aus dem Geiste heraus

»Die Leute kämpfen heute kontra Anthroposophie – und manchmal auch pro – recht materialistisch, das heißt geistlos, während es sich darum handelt, daß man mit dem Erleben des Geistes ernst macht. […] Also das möchte ich einmal ganz deutlich ausgesprochen haben, meine lieben Freunde: bei dem, was ich hier meine und jemals gemeint habe, handelt es sich nicht darum, vom Geist zu reden, sondern darum, aus dem Geiste heraus zu reden, im Reden selber den Geist zu entwickeln. Das ist dann der Geist, der erst wirklich erzieherisch wiederum in unser totes Kulturleben hereinschlagen kann. Das muß der Blitz werden, der in unser totes Kulturleben hereinschlagen muß, um es wiederum zum Leben zu entzünden.«

[Rudolf Steiner, »Geistige Wirkungskräfte im Zusammenleben von alter und junger Generation«, GA 217, 4. Aufl. 1964, Dritter Vortrag, Stuttgart, 5. Oktober 1922, S. 46 oder 6. Aufl. 1988, S. 52] 


 
Samstag, 17. April 2010 um 06:37 Uhr

Die größte göttliche Offenbarung ist der Mensch

»Die größte göttliche Offenbarung ist der sich entwickelnde Mensch. Lernt man diesen sich entwickelnden Menschen nicht bloß äußerlich anatomisch-physiologisch kennen, lernt man erkennen, wie in den Körper Seele und Geist hineinschießen, hineinströmen, dann verwandelt sich jede Menschenerkenntnis in Religion, in fromme, scheue Ehrfurcht vor demjenigen, was aus den göttlichen Tiefen in die weltlichen Oberflächen hineinströmt.«

[Rudolf Steiner, »Gegenwärtiges Geistesleben und Erziehung«, GA 307, Aufl. 1986, Siebenter Vortrag, Ilkley, 11. August 1923, S. 135]


 
Samstag, 10. April 2010 um 12:51 Uhr

Das Erkennen als Schöpfung

»Im Grunde genommen kann der Mensch nur das verstehen, wovon er weiß, wie es entsteht, wie es wird. Er kann nur das verstehen, an dessen Schöpfung er in einer gewissen Weise erkennend sich beteiligen kann. Nur das kann der Mensch verstehen, bei dessen Schöpfung er in einer gewissen Art anwesend zu sein vermag.«

[Rudolf Steiner, »Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen«, GA 136, 5. Aufl. 1984, Vortrag »Der Okkultismus und die Initiation«, Helsingfors, 12. April 1912, S. 216]


 
Samstag, 10. April 2010 um 10:32 Uhr

So sind wohl manche Sachen, die wir getrost verlachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn …

»Wenn Sie zum Teil eine gewisse Scheu haben sollten vor all den Welten, von denen Sie hier gehört haben, wenn Sie vielleicht denken, es wäre doch besser, von all dem nichts zu wissen, so bedenken Sie, daß das dasselbe ist, als wenn der Vogel Strauß seinen Kopf im Sande versteckt, denn die Sachen sind ja da! Und befreien können Sie sich niemals dadurch, daß Sie die Augen verschließen, sondern nur dadurch, daß Sie die Dinge kennenlernen. ... Erkenntnis und Wahrheit sind die Mittel, um frei zu werden.«

[Rudolf Steiner, »Natur- und Geistwesen, ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt«, GA 98, 1. Aufl. 1983, Vortrag »Einflüsse aus anderen Welten auf die Erde«, Stuttgart, 11. Febr. 1908, S. 210]

Anmerkung: Die Titelzeile entstammt dem altbekannten dt. Abendlied »Der Mond ist aufgegangen«, dessen Text Matthias Claudius ca. 1778 schrieb.


 
Mittwoch, 07. April 2010 um 00:00 Uhr

Echte Kunst

»Echte Kunst ist eben nicht etwas, was bloß an den Menschen herankommt so, daß er es in Seele und Geist ergreifen kann, echte Kunst ist etwas, was den Menschen wachsen, gesunden und gedeihen macht. Echte Kunst war immer ein heilbringendes Zaubermittel.«

»Anthroposophische Menschenkunde und Pädagogik« (GA 304a, 1. Aufl. 1979, S. 28)


 
Montag, 05. April 2010 um 14:47 Uhr

Lucifer


»O Mensch, besiege dich, / o Mensch, erlöse mich. / Du hast mich überwunden / in deinen Seelenhöhen; / Ich bleibe dir verbunden / in deinen Wesenstiefen. / Du wirst mich immer finden / auf deinen Lebenswegen, / willst du dich unterwinden, / dich ganz vor mir zu schützen. / O Mensch, besiege dich, / o Mensch, erlöse mich.«

Rudolf Steiner, GA 14, Mysteriendramen, Die Prüfung der Seele, Fünftes Bild (4. Aufl.1981, S. 201)


 
Montag, 05. April 2010 um 14:43 Uhr

Das Glaubensbekenntnis des Monismus

»Das sittliche Leben der Menschheit ist die Gesamtsumme der moralischen Phantasieerzeugnisse der freien menschlichen Individuen. Dies ist das Glaubensbekenntnis des Monismus. Er kann in der Geschichte des sittlichen Lebens nicht die Erziehung des Menschengeschlechtes durch einen jenseitigen Gott erkennen, sondern nur das allmähliche Ausleben aller Begriffe und Ideen, die aus der moralischen Phantasie entspringen können.«

»Die Philosophie der Freiheit« (1. Auflage 1894, S. 229, XV. Individualität und Gattung)
• GA 4, 16. Aufl. 1995, Kap. IVX »Individualität und Gattung«, S. 242,

Anm. d. Red.: In der Neuauflage von 1918 von Rudolf Steiner gekürzt in einen einzigen abschließenden Satz: »[Man kann auch sagen:] das sittliche Leben der Menschheit ist die Gesamtsumme der moralischen Phantasieerzeugnisse der freien menschlichen Individuen. Dies ist das Ergebnis des Monismus.«


 
Donnerstag, 01. April 2010 um 09:51 Uhr

Freiheit und Unfreiheit

»Aus Handlungen der Freiheit und der Unfreiheit setzt sich unser Leben zusammen. Wir können aber den Begriff des Menschen nicht zu Ende denken, ohne auf den freien Geist als die reinste Ausprägung der menschlichen Natur zu kommen. Wahrhaft Menschen sind wir doch nur, insofern wir frei sind.«

»Die Philosophie der Freiheit« (1. Auflage, S. 156, X. Die Idee der Freiheit), Die Hervorhebungen im Text stammen von Rudolf Steiner
• GA 4, 16. Aufl. 1995, Kap. IX »Die Idee der Freiheit«, S. 168


 
Donnerstag, 01. April 2010 um 09:48 Uhr

Selbsterkenntnis

»Da reden wir von Ahriman, dem so recht internationalen Wesen, das im Bunde mit Luzifer die wahre Schuld hat. Aber man findet ihn nicht, wenn man immer den Blick hinwendet zu den anderen, sondern nur, wenn man die Wege zur Erkenntnis sucht durch Selbsterkenntnis. Da hinunter in die chaotischen Tiefen geht es. Dann fühlen wir ihn, diesen Ahriman, ja, dann werden wir ihn recht erkennen … «

[Rudolf Steiner in GA 156, »Okkultes Lesen und okkultes Hören«, Weihnachtsvortrag Dornach 26. Dezember 1914, 1. Aufl. 1967, S. 163 oder 2. Aufl. 1987, S. 201f.]


 
Dienstag, 30. März 2010 um 21:19 Uhr

Das Verhältnis des Individuums zu jeglicher Autorität

 

» ›Ein jeglicher muß seinen Helden wählen, dem er die Wege zum Olymp hinauf sich nacharbeitet,‹ gilt nicht mehr für uns. Wir lassen uns keine Ideale aufdrängen; wir sind überzeugt, daß in jedem von uns etwas lebt, das edel ist und wert, zur Entwicklung zu kommen, wenn wir nur tief genug, bis in den Grund unseres Wesens, hinabzusteigen vermögen. Wir glauben nicht mehr daran, daß es einen Normalmenschen gibt, zu dem alle hinstreben sollen. Unsere Anschauung von der Vollkommenheit des Ganzen ist die, daß es auf der besonderen Vollkommenheit jedes einzelnen Individuums beruht. Nicht das, was jeder andere auch kann, wollen wir hervorbringen, sondern, was nach der Eigentümlichkeit unseres Wesens nur uns möglich ist, soll als unser Scherflein der Weltentwicklung einverleibt werden.«

»Die Philosophie der Freiheit« (1. Auflage, S. 3 f., I. Die Ziele alles Wissens), Hervorhebungen im Text stammen von Rudolf Steiner

Diese Stelle wurde in der zweiten Auflage der »Philosophie der Freiheit« völlig gestrichen. Ich finde sie aber so schön, dass ich sie hier darstellen möchte. [M.E.]


 
Dienstag, 30. März 2010 um 21:18 Uhr

Die Hauptaufgabe aller Wissenschaften

»Alle Wissenschaft wäre nur Befriedigung müßiger Neugierde, wenn sie nicht auf die Erhöhung des Daseinswertes der menschlichen Persönlichkeit hinstrebte. Den wahren Wert erhalten die Wissenschaften erst durch eine Darstellung der menschlichen Bedeutung ihrer Resultate. Nicht die Veredlung eines einzelnen Seelenvermögens kann Endzweck des Individuums sein, sondern die Entwicklung aller in uns schlummernden Fähigkeiten. Das Wissen hat nur dadurch Wert, daß es einen Beitrag liefert zur allseitigen Entfaltung der ganzen Menschennatur.«

»Die Philosophie der Freiheit« (1. Auflage, S. 8, I. Die Ziele alles Wissens), Die Hervorhebungen im Text stammen von Rudolf Steiner
•  GA 4, 16. Aufl. 1995, 2. Anhang, S. 271


 
Montag, 29. März 2010 um 21:35 Uhr

… jeder für den anderen leidet und lebt.

 

Das Karma und der Christus ergänzen sich wie das Mittel zur Erlösung und der Erlöser. Durch das Karma wird die Tat des Christus ein kosmisches Gesetz, und durch das Christus-Prinzip, den geoffenbarten Logos, erreicht das Karma sein Ziel, nämlich die Befreiung der Seelen zum Selbstbewusstsein und ihre Wesensgleichheit mit Gott. Das Schicksalsgesetz ist die stufenweise Erlösung, der Christus ist der Erlöser. Wenn die Menschen sich mit diesen Ideen durchdringen würden, würden sie fühlen, dass sie zueinander gehören, und würden das Gesetz begreifen, das in den okkulten Bruderschaften herrscht: dass jeder für den anderen leidet und lebt.

[GA 94, Kosmogonie, 2. Aufl. 2001, 17. Vortrag, Paris, 13. Juni 1906, S. 117]


 
Montag, 29. März 2010 um 21:19 Uhr

Tempelbausteine

Das, was hier geschieht, durch Liebe, durch Freundschaft, inniges Einander-Verstehen, das sind Bausteine, die da oben in der geistigen Region Tempel bauen, und es muss für die Menschen, die diese Gewiss­heit durchdringt, ein erhebendes Gefühl sein, zu wissen, dass, wenn sich hier schon von Seele zu Seele Bande schlingen, das die Grundlage ist eines ewigen Werdens.

[GA 99 Die Theosophie des Rosenkreuzers, 7. Aufl. 1983, 5. Vortrag, S. 53]


 
Montag, 29. März 2010 um 06:16 Uhr

Des Herzens Denken

Zu solchen Fähigkeiten gehört ja gewiß das, was wir die menschliche Vernunft, den menschlichen Intellekt nennen; das ging aus den letzten Vorträgen schon hervor. Und die Geisteswissenschaft weiß, daß es eigentlich eine Zukunft dieses Intellektes nicht gibt. Andere Fähigkeiten, wie das Denken des Herzens, werden sich in der menschlichen Seele bei ihrem Wandel in die Zukunft hinein entwickeln.

[GA 119, Makrokosmos und Mikrokosmos, 2. Auflage 1962, 11. Vortrag Wien, 31. März 1910, S. 248]

oder:

[GA 119, Makrokosmos und Mikrokosmos, 3. Aufl. 1988, 11. Vortrag Wien, 31. März 1910, S. 260]


 
Samstag, 27. März 2010 um 08:01 Uhr

Nur vierzig Menschen …

»Nur vierzig Menschen haben ihn gewollt (den Krieg) – und zu wenige waren da, die ihn nicht wollten.«

[Rudolf Steiner bei Kriegsausbruch 1914, in: Assja Turgenieff »Erinnerungen an Rudolf Steiner«, S. 61]


 
Samstag, 27. März 2010 um 08:00 Uhr

Das einzig Gesunde ist doch …

»Das einzig Gesunde ist doch, allen Einfluß auf den Willen des anderen Menschen nur durch Erkenntnis hindurch zu bekommen. Erkenntnis soll etwas sein, wodurch sich die eine Seele mit der anderen verständigt.«

GA 131 »Von Jesus zu Christus«, 7. Aufl. 1988, 1. Vortrag, Karlsruhe, 5. Oktober 1911, S. 47


 
Samstag, 27. März 2010 um 08:00 Uhr

Kein äußerer Name …

Kein äußerer Name kann »mich«, dieses Wesen, benennen; ein ganz andere Name, nur kann das ausdrücken: »Ich bin der Ich-bin!« Es gibt keine Möglichkeit, woanders den Namen zu finden des Sonnengeistes als in dem Menschen. Das, was als Ich im Menschen lebt, das ist das Christus-Wesen.

GA 109, Das Prinzip der spirituellen Ökonomie«, 3. Aufl. 2000, Vortrag 31. Mai 1909 »Von Buddha zu Christus«, S. 152


 
Samstag, 27. März 2010 um 07:59 Uhr

Individuum

»Durch meine Instinkte, Triebe bin ich ein Mensch, von denen zwölf ein Dutzend machen; durch die besondere Form der Idee, durch die ich mich innerhalb des Dutzend als Ich bezeichne, bin ich Individuum.«

»Die Philosophie der Freiheit« (1. Auflage, S. 153, X. Die Idee der Freiheit) bzw. GA 4, 15. Aufl. 1987, Kap. IX Die Idee der Freiheit, S. 164